Das hier bei normanemailer.blogspot.com ist das verdammt beste, was ich in den letzten Wochen an Satire gelesen habe. Ernsthaft, wer es schafft die Wörter Walter Benjamin, Nornen, Tayloristisch, Manieristisch, Matrix, Serialisierung und Apparathafigkeit in einem Text über ein Bild des Newsrooms der Welt-Gruppe unterzubringen, verdient dieses hier: Applaus. Applaus. Applaus!
Überhaupt ist die gesamte Erscheinungsweise der Figuren von symbolischen Relikten geprägt. So erscheinen die meisten Männerfiguren in Anzügen, als verblasstes Zeichen der Leitungsfunktion, wo der fordistisch zergliederte durch die Eigengesetzlichkeit der Matrix bestimmte Arbeitsprozess doch eher den Blaumann nahelegen würde. Hinter der Fassade der bürgerlichen Uniform sind die Zeichen der Unsicherheit und Furcht nicht zu verbergen: Die Sorgenfalten des Chefredakteurs, die zusammengepressten Zähne des Mannes mit der roten Krawatte oder der nervös auf den Nägeln kauende Mann am rechten, oberen Ende der Werkbank. Somit wird die eigentlich Souveränität symbolisierende Form des Anzugs dem ebengleichen Prinzip der Anonymisierung und Entfremdung unterworfen, das schon in der Serialisierung des Arbeitswerkzeugs (Bildschirme, Telefone) zu Ausdruck kam. In Verschränkung der Serialisierung von Mensch und Produktionsmittel finden wir zur Linken der Nornen-/Engelsgestalt eine Dreiergruppe von männlichen Figuren, die in Korrespondenz zur Fluchtlinie drei identische Kugelschreiber halten. Die Anordnung der Gruppe, die manieristische Ausrichtung ihrer Schreibgeräte und die Winzigkeit der Papierformate machen deutlich, dass es sich hier nur noch um symbolische Vignetten des Journalismus handelt, die ganz von fern, eigentlich nur noch ironisch auf den Reporter, der sich Notizen macht, anspielen.
Mal ganz davon abgesehen, daß ich mir solche Art von Texten zur Studienzeit tatsächlich durchlesen musste. Da kommen Erinnerungen hoch…
Feed abonnieren, Beitrag emailen oder bookmarken...
Geschrieben von: WONKO
Passend zu diesem Eintrag:
Kommentare
Bisher keine Kommentare für “Betrachtungen einer Komposition: Der Newsroom der WELT in Berlin”
Kommentieren