Parallele Evolution in den sozialen Netzen – Bloggen ist wie Punker sein

Mir schwebt schon seit Tagen ein Gedanke durch den Kopf, wenn es um Adical, Grimme, Yahoo/Flickr, Werbung auf Spreeblick und anderen Seiten, etc. geht: Mir kommt das alles so verdammt bekannt vor!
Damit meine ich nicht die konkreten Gegenstände der Diskussion, sondern erstens die Art, wie diese geführt wird und zweitens, wie sich die Lager so langsam aufspalten und sich die Ränder an vielen Stellen zerfasern.

Wenn ich ein paar Begriffe und die Namen austausche, dann könnte ich 1:1 diverse Artikel aus Punk-Fanzines der Achtziger hier präsentieren und keiner würde den Unterschied merken. All die ganzen Argumente habe ich genau so, wie sie jetzt formuliert werden, auch schon vor 20 Jahren im Underground- und Punk/HC-Kontext gelesen und gehört:
„Werbung ist der Tod aller Kreativität“
„Wir brauchen das um unsere Strukturen aufrecht zu erhalten und zu erweitern“
„Ja, aber dann nur CDs besprechen die ohne Barcode kommen. Die Industrie hat immer Blut an den Händen“
„Wenn weiter der Metal Einzug in den Punk hält, dann geht die schöne neue Welt die wir geschaffen haben vor die Hunde“
„Der XYZ ist ein Schwein, der bringt sein neues Album jetzt bei der EMI raus. Den kaufe ich nicht mehr“
„Schreiber XYZ ist ein käufliches Arschloch, der veröffentlicht jetzt seine Texte auch in der ZYX neben Werbung“

Nur ein paar Sätze von Tausenden, aber so oder so ähnlich klang es damals an allen Ecken und Enden. Es wurde viel über Bewahrung der freien Szenestrukturen und noch viel, viel, viel mehr über Integrität gesprochen. Und natürlich über Verrat der Ideen und Käuflichkeit. Und über indirekte Käuflichkeit über monetäre Verbandlungen.
Wahrscheinlich können die einen oder anderen der heute 60-Jährigen genau dasselbe über die Zeit vor und nach 1968 berichten. Und bestimmt hätte auch mein Uropa eben solches über die Wandervogelbewegung sagen können. Wenn ich mir einen Jugendlichen mit Schlabberklamotten packe, dann erzählt mir der garantiert auch etwas Ähnliches aus seiner Welt.

Was ich damit eigentlich konkret sagen will? Ich weiss es auch nicht genau. Die Diskussion an sich finde ich – auch 20 Jahre später und in einem anderen Kontext – jedenfalls wichtig und richtig, der Lagerkampf ist wohl dazu auch vonnöten. Nur so kann das ganze Blog-Ding gedeihen und kann sich durch ständiges Hinterfragen der Motivationen auch entwickeln und verfestigen. Denn, wenn solche Diskussionen nicht mehr geführt werden, dann kann man das Ganze auch getrost abschreiben, dann ist es totes Fleisch, dessen MHD schon lange abgelaufen ist.

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1 Kommentar

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