Parallele Evolution in den sozialen Netzen – Bloggen ist wie Punker sein

Mir schwebt schon seit Tagen ein Gedanke durch den Kopf, wenn es um Adical, Grimme, Yahoo/Flickr, Werbung auf Spreeblick und anderen Seiten, etc. geht: Mir kommt das alles so verdammt bekannt vor!
Damit meine ich nicht die konkreten Gegenstände der Diskussion, sondern erstens die Art, wie diese geführt wird und zweitens, wie sich die Lager so langsam aufspalten und sich die Ränder an vielen Stellen zerfasern.

Wenn ich ein paar Begriffe und die Namen austausche, dann könnte ich 1:1 diverse Artikel aus Punk-Fanzines der Achtziger hier präsentieren und keiner würde den Unterschied merken. All die ganzen Argumente habe ich genau so, wie sie jetzt formuliert werden, auch schon vor 20 Jahren im Underground- und Punk/HC-Kontext gelesen und gehört:
„Werbung ist der Tod aller Kreativität“
„Wir brauchen das um unsere Strukturen aufrecht zu erhalten und zu erweitern“
„Ja, aber dann nur CDs besprechen die ohne Barcode kommen. Die Industrie hat immer Blut an den Händen“
„Wenn weiter der Metal Einzug in den Punk hält, dann geht die schöne neue Welt die wir geschaffen haben vor die Hunde“
„Der XYZ ist ein Schwein, der bringt sein neues Album jetzt bei der EMI raus. Den kaufe ich nicht mehr“
„Schreiber XYZ ist ein käufliches Arschloch, der veröffentlicht jetzt seine Texte auch in der ZYX neben Werbung“

Nur ein paar Sätze von Tausenden, aber so oder so ähnlich klang es damals an allen Ecken und Enden. Es wurde viel über Bewahrung der freien Szenestrukturen und noch viel, viel, viel mehr über Integrität gesprochen. Und natürlich über Verrat der Ideen und Käuflichkeit. Und über indirekte Käuflichkeit über monetäre Verbandlungen.
Wahrscheinlich können die einen oder anderen der heute 60-Jährigen genau dasselbe über die Zeit vor und nach 1968 berichten. Und bestimmt hätte auch mein Uropa eben solches über die Wandervogelbewegung sagen können. Wenn ich mir einen Jugendlichen mit Schlabberklamotten packe, dann erzählt mir der garantiert auch etwas Ähnliches aus seiner Welt.

Was ich damit eigentlich konkret sagen will? Ich weiss es auch nicht genau. Die Diskussion an sich finde ich – auch 20 Jahre später und in einem anderen Kontext – jedenfalls wichtig und richtig, der Lagerkampf ist wohl dazu auch vonnöten. Nur so kann das ganze Blog-Ding gedeihen und kann sich durch ständiges Hinterfragen der Motivationen auch entwickeln und verfestigen. Denn, wenn solche Diskussionen nicht mehr geführt werden, dann kann man das Ganze auch getrost abschreiben, dann ist es totes Fleisch, dessen MHD schon lange abgelaufen ist.

← Vorheriger Beitrag

Nächster Beitrag →

48 Kommentare

  1. Völlig richtig beobachtet. Und sicher war/ist es in anderen „Szenen“ das gleiche, vielleicht in der Skater-Szene oder bei den Hippies oder was weiß ich. Ich schätze, auch die Entwicklungsebenen, die dann folgen, werden sich gleichen, und das meine ich wertfrei. Die taz ist übrigens auch ein Beispiel, denen ging es beim Start nicht anders.

  2. Was einer der Gründe ist, warum ich heute noch nur sehr ungerne den Begriff „Szene“ verwende. Sagen wir lieber: heterogenes Sozial-Gemenge 🙂
    Ich meinte den ganzen Artikel ebenso wertfrei. Ich glaube, das es nötig ist diese ganze Entwicklungen immer wieder und in jedem Kontext mit allen Konsequenzen von Vorne laufen zu lassen. Etwas anderes bleibt einem fast gar nicht übrig.

  3. Exakt, es geht gar nicht anders. Nichts anderes meinte Lobo mit dem Satz: „Eine Subkultur auf dem Weg zur Kultur bäumt sich auf“, ein Satz der von den üblichen Verdächtigen in der Luft zerrissen wurde, weil sie sich die Deutungshoheit über das Wörtchen „Kultur“ auf die Fahnen schreiben. Deshalb ist dieser Satz aber noch lange nicht unwahr.

    P.S.: Der Font in den Kommentaren ist abartig klein 😉

  4. Mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass hier niemand etwas gegen Werbung hat, wenn es nicht gerade die Helfer der chinesischen Mörder sind, oder Preise, bei denen nicht gemauschelt wird, oder Kommerz, der als solcher gekennzeichnet wird. Es könnte alles ganz locker sein, aber momentan sehe ich beim nächsten käuflichen Adicalinski den nächsten Wettbewerb für einen Videohoster, der nicht als PR gekennzeichnet ist. Und wenn er dann erfolgreich um ein Verfahren wegen möglicher Steuerhinterziehung, fehlende Ausweisung, fehlende Umsatzsteuernummer im Impressum, fehlender Gewerbeanmeldung und anderen kleinen Nickeligkeiten des deutschen Wettbewerbsrechts gebettelt hat, wird wieder geschrien.

    Es geht nicht im Mindesten um ejne Absage an kommerzielle Ziele. Es geht um die Frage, ob man einen Kommerz dulden will, der genauso seelenlos und teilweise noch übler, da soziale Beziehungen missbrauchend ist als 9Live.

  5. Ja, dieses Phänomen ist wirklich interessant. Immer wenn eine Subkultur eine gewisse Größe und öffentliche Sichtbarkeit erreicht, kommen Transformationen hin zur „normalen“ Kultur in Gang – mit all ihren Folgen: Stargehabe, Ausdifferenzierung in Subgruppen, Kommerzialisierung etc.

    Die Blogosphäre als Ort posttraditionaler Vergemeinschaftung?

  6. „Eine Subkultur auf dem Weg zur Kultur bäumt sich auf“ -> Guter Satz, will ich mir merken

  7. Ich finde den Gedanken einer Blogosphäre genauso absurd wie den einer bestimmten Szene oder den einer Generation. Eine beliebige Anzahl von Gemeinsamkeiten macht in meinen Augen Individuen noch nicht zu Gruppen.

    Die Diskussion schadet sicher nicht, auch wenn mich die Vehemenz, mit der einige Personen ihre Kritik am Verhalten anderer Personen vortragen, eher an studentische Aktionsgruppen als an „Bürgerjournalisten“ erinnert. Aber vielleicht/hoffentlich ist deren Selbstverständnis auch ein anderes als meins – was ja durchaus zur o.g. Heterogenität der sog. Blogosphäre gehört.

  8. @René: Komischerweise ist die Schriftgröße gerade ekelhaft klein. Bei mir allerdings nur im Firefox auf der Arbeit. Ich setze es mal etwas höher 🙂

    @Don Alphonso: Ich weiss, daß anfangs das Gros der Kommentatoren und Meinungsmacher nichts gegen Werbung auf Blogs hatte, sondern es „nur“ um Yahoo und die „Blut an den Händen“ Sachen ging. Aber mittlerweile hat die Diskussion doch die nächste Ebene erreicht und es geht dann doch auch um die – mir hinlänglich bekannte – Diskussion: Wie kann ich Werbung haben, aber bitte möglichst koschere?
    Verdammt jetzt mische ich mich doch ein…

  9. „Die Blogosphäre“ wurde an dem tag beendet,.als poodlepop seinen Beitrag über die A-Lister schrieb und einige der heutigen Kaufblogger zusammen über ihn hergefallen sind. An dem Tag war es vorbei, der Rest war ein Automatismus über die Coke-WG und das Hausboot bis Yahoo und dem Glauben nach der Re-publica, man habe die Leute hinter sich. Und nun stellen alle kommerziell Interessierten plötzlich fest, dass sie irgendwo zwischen alten maistreammedien und Blogosphäre rumhängen. Sie schubsen sich Preise zu und nutzen ihre Mediennetzwerke, aber die Musik der Blogs spielt inzwischen nicht mehr im Closed Club von Leuten, die sich vor Opel noch halbwegs einig über das, was man bewegen kann, waren. Es ist schade um das, was hätte werden können, aber es hat eben nicht sein sollen.

    Es ist tatsächlich ein Aufbäumen. Ein Aufbäumen eines Ausscheidungsprozesses. wenn Johnny und Stefan Niggemeier und Rene und felix Schwenzel vor einem Dreiviertel Jahr kollektiv über einen Blogger hergefallen wären, wie sie es mit FIXMBR gerade versuchen, wären ihnen alle gefolgt. Statt dessen bröckelt jetzt in ihrem engsten Umkreis der Zuspruch. Rene hat gestern einen Beitrag über die Blogbar geschrieben, wieder gelöscht, dann wieder online gestellt. das ist die kommerzielle Blogosphäre 2007. Ein kopfloser Haufen, der auf der einen Seite das geld von Yahoo sieht und auf der anderen Seite genau weiss, wie S***** das ist, was sie tun. Und dann hängen sie noch mit den kaufclowens der Blogs rum, aber wenn sie was wie früher machen, verpufft es. ich mein, ich habe kein Wort über Spree8 geschrieben, aber der ganze Versuch hat nichts, null, nada geholfen, als dann Yahoo kam.

    Da geht jetzt die Suche nach den Schuldigen los. Ich frage mich, wann Rene und Co. vergessen haben, wer zum teufel ihre Fans eigentlich sein sollen. Die Leser sind nicht blöd, die begreifen den Klüngel, die Absprachen und den verlust der Integrität. Und wenn das mal weg ist, was will Spreeblick dann noch den werbern verkaufen? Die paar Hansel, die auf den neuen Mahoni warten, der beim Focus auch nicht so doll lief?

    Man kann nicht die Wölfe anbieten und dann nur Pudel verkaufen. Und zu allem Überfluss gibt es genug Wölfe da draussen, keiner muss sich mit den Pudeln abgeben.

  10. Ich denke niemand ist legitimiert für „die Blogosphäre“ zu sprechen oder moralische Maßstäbe zu verkünden, die für alle den Leitfaden darstellen.

    Das ist in meinen Augen eine ziemliche Anmassung – ich habe weder einen Don, noch einen Rene, noch einen Stefan als meine Repräsentanten gewählt – und so geht es m.E. ziemlichen vielen von uns kleinen 08/15 Bloggern.

  11. Du hast Recht. Aber es betrifft mich nicht. Ich will ja auch nichts verkaufen, mir kann es egal sein, ob ich als Klassensprecher gelte oder nicht. Problematisch ist das für die, die etwas verkaufen wollen. #Bei den anderen ist es ein Problem für das Business Modell. Die entscheidende Frag bei der Verwertung ist, wie gross die Platte des auseinanderdriftenden Komplexes ist, die man sich sichern kann. Das läuft im Moment. Denn das, was die „kleinen 08⁄15 Blogger“ verlinken und lesen, macht wiederum die „Grossen“ aus. Das ist das Gesetz des Marktes.

    Das mir glücklicherweise egal sein kann.

  12. … wenn der Don wüßte, warum der Artikel von René wirklich erst erschien, dann verschwand, dann wieder erschien … hi hi … manchmal ist alles weit einfacher zu erklären als man meint … schönen gruß in die Runde … 🙂

  13. Sie, Herr Alphonso, was die korrupten Arschgesichter anbelangt, haben Sie ja fraglos recht, aber das mit den »Pudeln verkaufen«, das war jetzt nicht so nett. Ich meine, Sie hätten Pinscher nehmen können, Windspiele oder Chihuahuas – es ist ja nicht so, dass irgendein Mangel herrschte.

  14. Wie wäre es mit ungepopten Pudeln?

  15. Na schön, meinetwegen.

  16. Ungepopte Pudel sind nervig. Du stimmst mich übrigens nachdenklich, Fonsi. Ich geh mir jetzt erstmal Zigaretten kaufen und denk dabei ein bißchen nach.

  17. weltherrscher

    die ganze goa, yahoo und die „tsss*“ sache hat auch etwas gutes:
    ich kann jetzt auch journalismus-seminare anbieten:
    Guter Journalist in 90 Minuten!

    dafür reicht dann das paar minuten video von der ard:
    http://www.tagesschau.de/sendungen/0,,OID6972536_VID6972788,00.html

    und der rest wird einfach mit bewegtbildern der goa-preisträger aufgehübscht.

    * die schweigende kritische blogosphäre aka ex-a-blogger.

    ** @poodle: falls dieses blog jetzt auch schliessen muss, weil ich hier ein paar fragen stelle***, nicht persönlich nehmen.

    *** gehts wieder besser? sie können mich gerne wieder arschloch nennen, dieses mal frag ich nicht nach****

    **** man muss trotzdem humor haben.

  18. Ich frag mich, ob wir nicht gerade eine Art „postmodernen“ Prozess erleben. Johnny hat m.E. seine Linie verloren, teils aus allzu großer Fixierung darauf, dass ein Beurteilen von Werbung immer anmaßend ist (tja: was als Argument nicht ganz falsch ist), teils aus: Erwerbsstreben. Was aber nicht so aussehen muss. Fast schon lustig ist es anzuschauen, wie große Teile des adcical-Kollektivs mit einem typischen „Wir-machen-es-richtig“ auf Kritik reagiert – mit PR-artigen Textchen, die sie früher mal jedem Unternehmen um die Ohren gehauen hätten, wenn diese auf Kritik ebenso reagiert hätten.

    Es ist merkwürdig. Ich würde gerne mal von den Adical-Bloggern hören, wofür sie nicht werben würden. NPD? Jamba?

    Das Bedauerlicher des ganzen Prozesses und Streitens ist aber nicht die Selbstzerfleischung von Leuten, die sich eigentlich ziemlich ähnlich sind, sondern die Selbstentwertung einer kritischen Öffentlichkeit, vielleicht am Besten sichtbar daran, was auf Blogger-Kongressen (inkl. Re:publica) zur Zeit schief geht.

    Es wird immer mehr danach gefragt, „wie kann ich mit Bloggen Geld machen“, in faszinierend großen Umfang. Das ist in meinen Augen eine Schieflage. Eine Schieflage ist es auch, das richtet sich an mich und an andere Werbe- bzw. adical-Kritiker, die teils existentielle Not-Wendigkeit zu verkennen, die dazu führt, dass bestimmte adical-Blogger eben Werbung schalten müssen.

    Vielleicht kann man das ganze Schlamassel mit einem guten Anteil damit erklären, dass adical bei der Auswahl der ersten Werbekunden einfach Pech hatte. Da kamen also zunächst die falschen Interessenten (bes. mit Yahoo) – und eisern wird dran festgehalten. Mir kommt adical z.Zt. vor wie eine Rutsche: Immer tiefer geht es hinab. Da gibt es jedenfalls nichts, was hebt.

    Nichts.

  19. @Don:

    Ein paar Takte Klartext von mir (selbstverständlich nur für den Fall, dass es Dich wirklich interessiert, was einer der vielen Blog-Leser/Blogger denkt, die sich nicht an der Spitze einer Bewegung wähnen):

    1. Ich hasse Werbung, weil ich mittlerweile überall on- und offline damit belästigt werde und alles für mich Interessante, Geistreiche, Unterhaltsame… dermaßen mit Werbung zugeschissen wird, dass man es unter all den Scheißhaufen kaum noch finden kann.
    2. Ich finde es sehr bedauerlich zu sehen, dass und wie Spreeblick seit geraumer Zeit kommerzialisiert wird. Aber es schockt mich nicht so sehr wie Du vielleicht glaubst. Dafür habe ich diese Art von Ausverkauf einfach schon bei zu vielen Webprojekten gesehen, die ich mal toll fand …bevor sie eingegangen sind, weil heart & soul im Goldrausch verloren gingen.
    3. Mir sind Leute zuwider, die versuchen, sich auf Kosten des Renommees anderer Leute einen Namen zu machen – entweder indem sie diesen anderen, auf einer breiten Schleimspur, in ihren Allerwertesten kriechen oder – wenn diese dafür nicht empfänglich sind – ihnen öffentlich vor die Füße kotzen. Und aus meiner Perspektive stehst Du derzeit mit Deinem Hinterteil am Ende einer Schleimspur, auf der sich dieselben an Dich ranschleimen, die Johnny & Co. vorverdaute Mahlzeiten servieren.

    Mein persönliches Fazit aus 1-3: Johnny nehme ich bis dato den überzeugten Yahoo-Werbefuzzi genausowenig ab wie ich Dir Deine (für mein Empfinden penetrante) FIXMBR-Promotion aus der Hand fresse.

    Klar soweit?

  20. @Dr. Dean:

    Ich würde gerne mal von den Adical-Bloggern hören, wofür sie nicht werben würden. NPD?

    Diese Frage hat man mir vor einiger Zeit in einem kurzen „Schwatz“ (Chat; nicht Twitter) auch gestellt. Meine Antwort damals war sinngemäß so:

    „Für einen Tagespreis von 1.000.000 Euro dürften die ggf. bei mir werben. Dann wäre das ganze aber klar per Vorkasse zu bezahlen, ich würde direkt neben den Banner einen redaktionellen Inhalt setzen, der über diese Werbung und die NPD aufklärt und dann noch dazu schreiben, dass ich die Hälfte an die Shoah Foundation spende.“

    Anders ausgedrückt: Ja, bei der NPD würde ich unter normalen Umständen (Ausnahme siehe oben) Nein sagen.

  21. Und ich glaube – so amüsant diese ganze Diskussion auch ist – dass es einen Großteil „der Blogger“ schlicht am Arsch vorbei geht. So sie überhaupt davon wissen. Da sind eine Handvoll selbst groß geredeter und die werden hofiert und hofieren sich selbst. Ist so lange es Menschheit gibt noch nie anders gewesen.

  22. Zeitungen wollen mir die von Ihnen vertretene Meinung aufs Auge drücken, Parteien versuchen mir ihre Parteibrille aufzunötigen, A-Blogger rufen dazu auf die Reihen (in ihrem Sinn) zu schließen.

    Davon habe ich die Schnauze gestrichen voll.

    In der Blogosphäre bewege ich mich, weil ich mir hier aufgrund vieler unterschiedlicher meinungsstarker Quellen, meine eigene Meinung bilden kann.

    Und ich will, dass man meine Meinung respektiert, die ich ggf auf meinem Blog kundtue, wie ich auch bereit bin die Meinung anderer zu respektieren (auch wenn ich diese ev. inhaltlich für falsch halte).

    Im übrigen soll von mir aus jeder nach seiner Facon seelig werden. Wenn jemand mit Yahoo Werbung leben kann, muss er dass mit sich selbst ausmachen, wenn jemand das Scheiße findet dito.

    Interessanter als solches Gestochere um Meinungsführerschaft, finde ich den hier aufgeworfenen Punkt der Transformation der Blogosphäre.

    Wäre zu fragen, was ist den aus dem Punk geworden, wie steht er heute da und geht die Blogospäre wohl einen ähnlichen Weg.

    Ist Tokion Hotel Punk? (Frisuren, verzerrte Gitarren, Mikrofongekreische?) – Massenkompatibel und ohne jeden „politischen“ Anspruch.

    Oder sind nur Death Kennedys und/oder Exploited Punk ? Einem kleinen Kreis bekannt und mit einer „düsteren“ Touch.

  23. Die Dead Kennedys, das sei hier ganz wertfrei angemerkt, sind ein Paradebeispiel für Ausverkauf, nachdem es die restlichen Bandmitglieder fertig gebracht haben, Jello Biafra zu verklagen, der sich geweigert hatte, „Holiday in Cambodia“ für einen Levi’s-Webespot zu verticken. East Bay Ray meinte so schön: „Wir könnten 90 Prozent spenden und 10 Prozent behalten. – Naja, wenn ich es mir so überlege, könnten wir auch 10 Prozent spenden und 90 behalten.“ – Worauf Biafra nach eigenem Bekunden das plötzliche Bedürfnis verspürte, schnellstmöglich den Raum zu verlassen…
    Was sind denn die wiedervereinigten Pistols für Jammergestalten? Man darf sich auch mal gerne den Ausgang der einschlägigen Diskussionen ansehen…

  24. Die Dead Kennedys, das sei hier ganz wertfrei angemerkt, sind ein Paradebeispiel für Ausverkauf

    Klar, sie haben sich verkauft – aber macht das ihre Musik schlechter?

    Und der Kreis, den man einbeziehen könnte ist doch eigentlich unendlich Ramones, die Toten Hosen, The Stooges/Bowie/Iggy – alles Projekte/Personen die aus dem Sidekick ins Rampenlicht geraten sind und sich der Kommerzialisierung unterworfen haben, bis sie selbst zu „Kulturträgern“ geworden sind und ihre Art der Musik zu einem Teil „der Kultur“.

    Man mag das gut oder schlecht finden – aber ganz wertfrei – es passiert offenbar quasi naturgesetzlich.

  25. Hu, da muß ich jetzt doch mal in die Diskussion grätschen. Man kann durchaus im Underground anfangen und kredebil in das Mainstream-Fach wechseln. Die Frage ist nur: Wie ernst haben die betreffenden Künstler das alles vorher genommen?
    Wollten sie Teil einer Subkultur sein und damit eine Art Gegensystem schaffen oder waren sie das nur, weil man eben so anfängt als Band und sind dann den natürlichen Weg des Erfolgs bei den Massen gegangen?

    Es gibt genügend Beispiele, daß Bands/Künstler so ernst mit den Prinzipien genommen haben, daß sie nie den „Versuchungen“ der Industrie – gehen wir da mal von der Prämisse Industrie = „Blut an den Händen“ aus – erlegen sind. Fugazi z.B. waren immer ein integraler Bestandteil der Gegenkultur und haben Umsätze von denen selbst in den wahnsinnig gut laufenden Neunzigern manche Mainstream-Bands nur träumen konnten.

    Die Frage ist doch nicht, ob das alles gut oder böse ist, sondern, ob man das für sich selbst will.

    Und um der alten Tradition des Stildiskutierens willen: Exploited waren nie Punks. Das waren einfach nur Asis 🙂

  26. Exploited waren nie Punks? – so – für mich sind Exploited mehr Punk als die ganzen weichgespülten Pudel wie Ramones u.co.

    Pöh

    Da gab es richtig auf die Knochen und das sogar mit politischem Anspruch. The Exploited are punk rock! – Fuck the System

    http://www.the-exploited.net/history.htm

  27. Ich sag doch jetzt machen wir hier das analoge Gebashe für Musik auf. Ein Beweis dafür, dass ich wohl so Unrecht nicht hatte mit meinen Zeilen da oben 🙂

  28. Wollten sie Teil einer Subkultur sein und damit eine Art Gegensystem schaffen oder waren sie das nur, weil man eben so anfängt als Band und sind dann den natürlichen Weg des Erfolgs bei den Massen gegangen?

    Welche Band/Blog fängt denn damit an, eine Strategie zu Beginn zu entwickeln (Grevenbroich und Monrose mal außen vor) und in Hinsicht auf kommerziellen Erfolg zu starten?

    Spreeblick/Death Kennedys ging/geht es zu aller erst um den Spaß an der Sache. Das man dann bei Gelegenheit soziales Kapital in ökonomisches Kapital ummünzt ist offenbar „natürlich“ auch wenn es in den Anfangsintentionen nicht vorgesehen war.

    Wenn Ebee Ray und J.H. damit klar kommen – und sie müssen damit klar kommen – dann O.K./oider auch nicht – dass geht mich nichts an. Aber beide haben Teil daran, dass es zu einer Bereicherung auch über die Subkultur hinauskommt – ungeachtet jedes finanziellen Mehrwerts, den sie vielleicht abschöpfen.

  29. Welche Band/Blog fängt denn damit an, eine Strategie zu Beginn zu entwickeln (Grevenbroich und Monrose mal außen vor) und in Hinsicht auf kommerziellen Erfolg zu starten?

    Hüstel, hüstel…

  30. O.K – wußte nicht das Randpop plant in 10 Jahren die Deutsche Bank zu übernehmen.

    Aber oft ist es doch so, dass innovatives, neues aus einem spielerischen Impetus heraus entsteht (natürlich auch mit vagen Hoffnungen verbunden, dass man eines Tages berühmt, reich – eventuell sogar schön – wird).

    Projekte die dagegen aus rein strategisch-kommerziellen Beweggründen starten oft Rohrkrepierer sind und Projekte, die einen zu starken und abrupten Kommerzialisierungsdrang entwickeln (jetzt wird Kasse gemacht…..) recht zügig in der Versenkung verschwinden.

    Projekte/Bands/Blogs die es jedoch schaffen die wackelige Balance zwischen Kommerzialisierung und Identität zu wahren integraler Bestandteil einer dann reichhaltigeren Kultur zu werden. Oft auch damit verbunden, Teile der Hardcore Anhängerschaft zu verlieren und wesentlich mehr Anhänger aus dem Mainstream zu fischen.

    Das war beim Punk so, dass wird so bei Blogs werden.

  31. Äh, war es nur ich, der nie den Eindruck hatte, dass die Blogosphäre in irgendeiner Form subkulterell beschreibbar ist? Dazu gehört doch auch ein geteilter Lebensentwurf, eine gewisse Homogenität und sowas. Von daher greift die Diskussion – und auch die Selbstwahrnehmung als Subkultur – ins Leere.

    Und was Punk ist?

    Punk ist erstmal auf der Straße.

    Punk ist auf der Straße bei Rot über die Ampel zu gehen.

    Punk ist das aber nicht, wenn kleine Kinder zusehen. Dann ist es asi 😉

  32. Aber sollen sich ruhig die Herren in den Ringecken die Nase blutig hauen.

    Das Nummerngirl tritt ab.

  33. Im Grunde denke ich ganz genau so wie Limited: jeder wie er will. Und wenn Johnny mich und die anderen bei den Diskussionen einfach angeschauzt hätte, dass mich seine Entscheidung für Yahoo zu werben, n feuchten angehe, dann käme ich damit klar. Sogar besser.

    Ich bohre nicht, weil ich glaube, dass Johnny mir (dem Bloggen, den Bloggern, der Blogosphäre, was immer das ist)Rechenschaft schuldig ist, sondern weil ich glaube zu sehen, dass er eigentlich gegen sich selbst kämpft und wie stumpf seine Waffen dabei sind. Ich könnt natürlich auch einfach die Schnauze halten und nur still in mich hineinkotzen aber bei diesem Kampf hab ich einen nicht unwesentlichen persönlichen Einsatz auf die eine Seite gesetzt. Die feuere ich jetzt an. Mehr nicht.

    Die Punkgeschichte ist mir ziemlich egal und hinkt, jedenfalls bei der Yahoosache, gewaltig, wie Don da oben schon richtig sagte. Hier geht es nicht um Ausverkauf, jedenfalls nicht für mich, sondern darum eine Grenze zu setzen. Nicht meine, auch keine Bloggergrenze, sondern irgendeine. Eine persönliche.

  34. @Mark: Ich würde nicht soweit gehen Homogenität als Kriterium einer Subkultur zu nehmen. Aber du hast natürlich Recht, der Vergleich hinkt da. Nur, das war auch nicht die Grundlage meiner Zeilen.
    Es ging um die Art wie die Argumente ausgetauscht werden und, was, wann und wie die Diskussion geführt wird.

    @mspro: Natürlich hinkt der Vergleich, weil es darum ja gar nicht geht in der Argumentation. Auch nicht um Subkultur. oder um Punk. Oder um Hippies.
    Was ich meinte ist das: Nimm eine beliebige Geschichte die sich in einer Masse entwickelt und es wird irgendwann den Streit über die Richtung die das Ganze nimmt geben.
    Trotzdem bleibt es dabei: Die Art und Weise, die Spaltungen und vor allem die Argumente sind irgendwie austauschbar zwischen den Sachen die ich in den letzten 20 Jahren mitbekommen habe. Ich hätte auch durchaus das Beispiel der ersten Web-Blase in den Neunzigern wählen können. Das hätte genauso gepasst.

    Denn es geht irgendwann nicht mehr um persönliche Entscheidungen, sondern um Lager und Richtungen. Sonst würde doch hier und anderswo nicht so heftig diskutiert werden.

    PS: Selbstredend ging es bei der Punkgeschichte auch nicht um „Ausverkauf“, das ist vielleicht jetzt im Nachhinein so in die Historie reingeschrieben worden. Es ging ganz klar auch nur um persönliche Grenzen. Für jeden Einzelnen. Daher stimmt die Parallele.

  35. Klar. Es gibt da welche, die fürs Dings kämpfen. Es gab immer und überall Leute die fürs Dings kämpfen. Und ihre Argumente sind sicher sehr ähnlich. Ich wollte mich da auch eigentlich nur explizit ausschließen. Deshalb ist mir Grimme auch so egal. Ich finds‘ nur amüsant. Sollen die sich doch alle gegenseitig bis zum Hals mit Preisen zuscheißen. Ich gönn denen das. Aber ernst nehmen tu ich das eh nicht.

  36. So hatte ich dich auch verstanden. Ich nehme mich da weitgehend auch aus. Ich habe hier meine kleine Ecke und schreibe über das, worauf ich Lust habe. Die Entscheidungen hier treffe ich ja auch alleine 😉

  37. Iris … ich bin schockiert 🙂

  38. Ich bin beeindruckt.

  39. ‚Subkultur‘? ‚Die Blogger‘? Vielleicht gilt hier noch vielmehr als bei so manch anderem: Wenn das Kind einen Namen bekommt, ist es bereits in den Brunnen gefallen.

    @rene: Schrift zu klein? Strg+ ist dein Freund.

  40. Ohne Dir zu nahe treten zu wollen, Iris: Es ist mir weitestgehenst egal, was Du oder andere von mir und meinem Vorgehen halten. Weil ich mich noch nie darum gekümmert habe, und weil mir Links und Klickzahlen wurscht sind. Ich war so, als ich 100 Leser hatte, ich bin jetzt so, und wenn ich auf 10 Leser unten bin, weil alle anderen es übel finden, mache ich auch so weiter. Allerdings sollte man drei Sachen nicht übersehen:

    1. FIXMBR hat die knapp 500 Links nicht von mir
    2. FIXMBR hatte jetzt ein paar mal ein sagenhaftes Gespür
    3. FIXMBR hat die nötige Ausdauer, die ansonsten in der Omertabloggerei heute fehlt.

    FIXMBR is here to stay, das ist die Folge. Egal ob Johnny und Co. darauf einprügeln oder ich sie in Schutz nehme. FIXMBR hat seine Nische, die bespielen sie, das funktioniert, und wenn sie recht haben, haben sie recht und ich verlinke sie. Das ist alles.

  41. @admin: Die Art der Argumente, ja da hast Du Recht. Allerdings kann man das in jedem Prozess der kulturellen Ausdifferenzierung so auch finden. Der eigentliche Fehler, wenn man Blog-Punk-Analogien aufmacht, ist aber die falsche Grundannahme, dass man auf Basis eines gemeinsamen Wertekanons – Tschuldigung, besseres Wort fällt mir gerade nicht ein – agieren würde. Als ob es so etwas je gegeben hätte. Gut, gab es im Punk auch nicht, wenn man miesepetert 😉

    Um aber mal zum Thema zurück zu kommen: Werbung oder nicht, ist mir im Endeffekt egal, jedes Medium mit einer gewissen Reichweite und einem gewissen Aufwand an Selbsterhaltungskosten (das schließt auch die menschlichen Akteure mit ein) muss sich irgendwie finanzieren. Solange die Integrität stimmt ist alles fein. Wenn nicht, dann ist das wie der entfernte Verwandte mit seiner ‚besonders günstigen‘ Hausratsversicherung, die man auch unbedingt brauchen würde. Mit dem will ich auch nichts zu tun haben.

    Abgesehen davon gibt es in Blogs noch viel mehr zu entdecken als Metabloggerei 😉

  42. @Don:

    Ohne Dir zu nahe treten zu wollen, Iris: Es ist mir weitestgehenst egal, was Du oder andere von mir und meinem Vorgehen halten.

    Keine Sorge, damit trittst Du mir nicht zu nahe, denn ich habe nichts anderes erwartet. Allerdings, ohne Dir zu nahe treten zu wollen, ist es mir auch weitestgehend egal, was Du von FIXMBR hältst oder von Johnny & Co. Das heißt nein, ich muss zugeben, völlig egal ist es mir doch nicht, denn zu penetrante Werbung hat bei mir schon seit längerem eine gegenteilige Wirkung, wird quasi zur Anti-Werbung.

    FIXMBR hat seine Nische

    Zweifellos. Die hat aber z.B. PI auch. Und? Die will ich ihnen bestimmt nicht streitig machen. Zugegeben 500 iss ’ne schöne, runde Zahl. Allerdings hat mich Masse noch nie besonders positiv beeindruckt (naja, außer vielleicht die Alpen, das Meer oder der Sand der Sahara ;o). Nun ja, jeder spinnt sich seine eigenen Netze, das Web ist immer noch groß genug.

    In diesem Sinne – wie schriebst Du doch kürzlich so schön? – bon voyage

  43. @Limited:

    Klar, sie haben sich verkauft – aber macht das ihre Musik schlechter?

    Die Musik kann man immer noch wunderbar hören, und ich habe auch nichts dagegen, daß alternde Rebellen sich mal ein bißchen was dazuverdienen, aber: reunionmäßig mit neuem Sänger herumtingeln, „Wir waren alt und brauchten das Geld“, Songs wie „Life Sentence“ spielen und dabei mehr an Kommerz als an die ursprüngliche Botschaft denken, hat etwas Jämmerliches. Ich bin nicht Anti-Kommerz, ich bin Anti-Lebenslüge.

  44. Diese abgefuckten Bravopunks kotzen mich total an, die Punkbewegung braucht so Penner nicht.

  45. Iris, bei Leuten, die solche Vergleiche ziehen, ist das Abschied nehmen keine Qual.

  46. Schade eigentlich, geht’s nicht um die spannendere Frage:

    Wieviele Dissidenten müßte Yahoo hinter chinesische Gardinen liefern, bevor man nicht für sie wirbt?

  47. Interessant an dieser Diskussion dieser Ego-Trip der Blogger „wir wir und daneben gibts nichts“. Nun Chris und meinereiner schrieben schon Jahre vor den Blogs und werden auch nach dieser „Subkultur“ noch weiter schreiben, weil die Software dazu ist uns eigentlich schnuppe, der Inhalt zählt. Meine erste Webseite mit politischen Inhalten hatte ich Mitte der 90er, der Weg ging über Mailinglisten, Newsgroups, Foren bis aktuell zu Blogs. Die Subkultur ist das Netz, die Blogs sind profane Software. Einfach lächerlich …

  48. I knew that Jaime could electrify my passage differing down.

Schreibe einen Kommentar